Montag, 18. April 2016

Bettel-Battle




Seit doch so nett und klickt mal für mich (Anmeldung mit Emailadresse und Passwort, keine Werbung) damit mein Video beim Webslam von Bücher.de unter den ersten zehn bleibt. Dann werde ich nämlich zum Finale eingeladen und das passt terminlich, geografisch und vor allem finanziell (300 Euro Gage) sehr gut in meine nächste kleine Süddeutschland-Tour. Bitte folgt dem Link: http://www.buecher.de/go/poetryslam/voting/q/TGlzdGVu/

Mittwoch, 30. März 2016

Ich in WDR Print (8)


PREISWERTES IM ANGEBOT

Im Kopf hatte ich meine Dankesrede schon mehrmals geschrieben.
Ich glaube alle jungen Männer mit künstlerischen Ambitionen
machen das so. Ich war 26 und mein erster Text war veröffentlicht,
man will ja vorbereitet sein. Also dankte ich dem Nobelkomitee für
seine Weisheit, wollte dann aber nicht überheblich sein und schrieb
die Rede nochmal ein bisschen um. Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sollte für einen Debütroman erst mal reichen.

Ein Vierteljahrhundert später ist der Debütroman noch nicht
ganz fertiggestellt. Zeitmangel. Aber ich gucke furchtbar gerne Preisverleihungen im Fernsehen. Beim Oscar bin ich leider eingeschlafen, bevor die Show losging, obwohl die dummen Fragen von Annemarie Carpendale am roten Teppich meinen Puls ordentlich auf Trab gebracht hatten. Warum über Nebensächlichkeiten wie Filme oder Rassismus reden, wenn man Whoopie Goldberg auch nach ihren Schuhen fragen kann? Die neue sprechende Barbie von Mattel hätte vermutlich intelligentere Fragen gestellt. Sie strahlt übrigens auch mehr menschliche Wärme aus.
Bei den Oscars geht es um Emotionen, um die Freudentränen der fassungslosen „Winner“ und das versteinerte Lächeln derjenigen, die nur Nominierte bleiben. Und um die Kernkompetenz Hollywoods, die ganz große Show. Beim Grimme-Preis, dem intellektuellen Oscar aus dem Ruhrgebiet, geht es um Kunst. Deshalb werden die Gewinner im Rahmen einer kleinen Pressekonferenz einen Monat vor der Preisverleihung bekannt gegeben. Mehr so ein Verwaltungsakt. Bis zur Gala haben sich alle wieder im Griff und Tränen im Fernsehen bleiben uns erspart. 

Jetzt freue ich mich auf die Echoverleihung. Da wäre ich gerne
auf der After-Show-Party, weil Künstler aus allen Genres aufeinander treffen. Bestimmt eine tolle Stimmung, wenn Helene Fischer und Madonna mit Nusslikör anstoßen oder zu später Stunde am Bierpilz Deichkind und die Kastelruther Spatzen beschließen, das man „unbedingt mal was zusammen machen muss“.

Mich langweilt mittlerweile die Vorstellung, in meiner Dankesrede
meine Rolle als großer Mahner der Republik zu betonen.
Deshalb habe ich in Gedanken begonnen, Preise abzulehnen. Bei
der goldenen Kamera schimpfte ich über die „Bild“ und den Springer-Verlag, beim Bambi über Burda. Sie hätten Maria Furtwänglers Gesicht sehen sollen! 

Es gibt natürlich noch die Didi Hallervorden Methode: Preise annehmen, aber beleidigt sein, dass man sie nicht früher bekommen hat. Eine Option, die ich mir offen halten will.

Denn bis heute habe ich meine Rede nicht gebraucht, auch nicht
nachdem ich sie für die „Frechener spitze Feder“, den „Rösrather
Kabarettpreis“ und den „Lyrik-Award für heitere Versdichtung der
Kreisparkasse Oberhessen“ noch einmal optimiert hatte. Bald bin ich im „Lebenswerk“-Alter. Vielleicht geben sich das Nobelkomitee oder die Fachjury der Kreissparkasse Oberhessen ja doch noch einen Ruck.

Mittwoch, 2. März 2016

Ich in WDR Print (7)


Die Leute würden ja in der Straßenbahn nur noch auf ihre Smartphones glotzen, schlimm wäre das, beschwerte sich neulich
ein Kollege. Dabei war früher – bevor man die Rechenleistung
eines 2,5 Tonnen schweren Supercomputers von 1985 bequem in
der Hosentasche tragen konnte – die Straßenbahn auch kein Ort
der Begegnung, wo Wildfremde regen Gedankenaustausch pflegten.

Damals starrte man halt stur vor sich hin oder las Zeitung.
Auch da gab es schon Menschen, die das „ein Stück weit irgendwie
schon arg traurig“ fanden. Ich starre gern vor mich hin. Und heute,
da in den sozialen Netzwerken ständig Fremde ihre Gedanken
austauschen, weiß ich: Das ist auch besser so.

1995 kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit diesem Internet.
Damals konnte ich das aktuelle Wetter auf Hawaii anschauen, es
dauerte eine Dreiviertelstunde, bis sich das Bild aufgebaut hatte. Es
war ein kleines Bild. Mit etwas Glück fand ich noch die Öffnungszeiten und die Fax-Nummer eines technikbegeisterten Metzgers in Nürnberg heraus, der einen mit den Worten: „Willkommen auf der Datenautobahn“ empfing. Eine Welt, in der man auf einer Autobahn surft, ergab für mich nicht viel Sinn. Ich gab dem ganzen keine große Chance und schrieb einen lustigen Artikel darüber, dass es dem Internet ergehen würde wie vielen Weihnachtsgeschenken: In ein paar Wochen läge es in der Ecke. Mir fehlt es wohl ein wenig an Vorstellungskraft. Heute komme ich mir vor wie der Typ, der gesagt hat, das Automobil habe keine Zukunft, allein wegen des Mangels an Chauffeuren. Habe ich übrigens im Internet gelesen, wer war das nochmal, Kaiser Wilhelm? Ohne Internet hätte ich das nie gewusst. Nur Dank des www weiß ich auch, wie mein Elfenname lautet oder welche Kardashian ein Selfie im Badezimmer gemacht hat. Wer hätte vor 20 Jahren geahnt, dass eine Technik, die zunächst für militärische Zwecke, dann zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen eingesetzt wurde, schließlich als Poesiealbum, Bahnhofskino, Volkslexikon, Tageszeitung, Fernseher, Einkaufsparadies, Spielhölle, allwissende Mutter und monumentale Gerüchteküche für alle dienen würde?

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich aufgehört habe, eine
Recherche entweder in der Bibliothek oder mit einem Anruf bei
einem Kollegen, der eventuell Ahnung haben könnte, zu beginnen.
Wahrscheinlich mit dem Aufkommen von „AltaVista“, der
besten Suchmaschine der Welt, die heute etwa so bekannt ist wie
die Gewinnerin der dritten Big-Brother-Staffel, Karina (steht bei
Wikipedia).

Auch der WDR hat mittlerweile ein riesiges Angebot im
Internet. Gibt man in die Suchmaske Kardashian ein, erh.lt man
117 Treffer, von denen die meisten 1LIVE zu verantworten hat. Die
Suche nach „Katzenvideo“ führt nur zu einem einzigen Eintrag:
einem Servicezeit-Beitrag über Werbeblocker. Daran erkenne ich
heute ein seriöses Angebot im Web.