Flugblatt (Entwurf): „Arbeiter! Lass Dich nicht von niedlichen Tierbabys ablenken! Niedliche Tierbabys sind Agenten der Reaktion! Wenn Du Deine Sache in die Hand nimmst, hilft Dir weder Knut noch Flocke. Nieder mit den Ausbeutern und ihren willfährigen Gehilfen bei den RTL-Nachrichten! Niedlichkeit ist eine bourgeoise Kategorie!“
Journalisten alten Schlages, wie Ernst-Dieter Lueg, kannten die vier B des Nachrichten-Journalismus noch aus dem FF: Bonn, Brandt , Barzel, Baader. Ja, so war das damals. Generationen von Reporten wuchsen mit diesen vier großen W (wann, wer, was kostet das, was sagt eigentlich Ihre Frau dazu) auf, Augstein und Nannen, so ist bekannt, ließen sich die vier großen G (es geht immer um: Geld, Geschlechtsverkehr, Gewohnheit oder Geheimdienste) noch von jedem Volontär persönlich vorbeten. Jeden Morgen in ihren verrauchten Büros mit Alsterblick. Dies gehörte zu den Grundfesten der Bonner Republik.
Wollte damals ein Bär in die Hauptnachrichten, musste er schon jemanden umbringen. Robbenbabys ließen sich dafür in schöner Regelmäßigkeit erschlagen. Ansonsten konnten sie sich gleich mit umgefallenen Säcken Reis aus China und Hunden, die Männer gebissen hatten, zusammen tun.
Heute sehen wir Verfolgungsjagden in Missouri, den Jungen, der sich in Mexiko ans Bett geklebt hat, um nicht in die Schule zu müssen, Modenschauen und immer wieder Tierbabys. Süße, tapsige, knuddelige, voll niedliche, herzerweichend dreinschauende kleine Tiere. Im heutigen harten Nachrichtengeschäft und im ständigen Kampf um Einschaltquoten haben die berühmten vier T des Journalismus eine völlig andere Bedeutung bekommen: Tiere, Tussen, tragische Trottel.
Flugblatt (Entwurf): „Arbeiter! Wenn uns erstmal die Produktionsmittel gehören ist aber Schluss mit lustig. Dann gibt es wieder richtige Nachrichten über imperialistische Kriege und die Errungenschaften unserer Revolution. Dann läuft statt ‚Das perfekte Dinner’ ‚Physik für die Sekundarstufe 2’ von 1973. Und anschließend das fünfstündige Epos ‚Gottschalk, Held seiner Klasse’. Und den verdammten Eisbären wird mal wieder klargemacht, wer hier wo in der Nahrungskette steht. Von wegen niedlich.“
Notiz: Muss noch mal nachdenken, ob die Massen für so deutliche Worte schon bereit sind. Evtl. erstmal Linkspartei unterwandern. Für alle Fälle Marx in der Stadtbücherei ausleihen. Bei der Gelegenheit in der Kinderabteilung Lars, dem kleinen Eisbären, Hitlerbärtchen malen.
Freitag, 11. Januar 2008
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen