Samstag trete ich ja beim Trierer Comedy Slam auf und ich bin schwer am überlegen, was ich dort eigentlich tun soll. Ich glaube nämlich mit vorlesen komme ich da nicht weit.
Ich denke, ich nehme meine Gitarre mit und erzähle erstmal die Geschichte, wie ich Anfang der achtziger Jahre, als jeder vernünftige Mensch Punkbands gründete, mit Jochen Heinsberg und Bernie Klapproth eine Bluesband gegründet habe. Wir konnten im Gemeindehaus umsonst proben, nach dem Flötenchor und vor der Friedensbewegung, wenn wir ab und zu auf Gottesdiensten "Herr deine Liebe" auf der Konzertgitarre zupften. Ein fairer Deal. Am liebsten übten wir "Band vorstellen": "Meine Damen und Herren, an der Schießbude: Bernie 'The Animal' Klapproth!!" Trommelsolo. "Leadgitarre: Jochen 'Slowhand' Heinsberg!" Gniedel, Gniedel, Gniedel.
Ich hatte mir lange Gedanken gemacht, welchen Bluesernamen ich annehmen sollte und fand schließlich, dass ich mich mit 4,5 Dioptrien durchaus "Relatively Blind" Christian Gottschalk nennen konnte. Am Bass stand irgendein Typ aus Chemie-Leistung, der auch nicht besonders aussah. Seinen Namen habe ich vergessen. Er hatte auch gar keinen anständigen Bluesernamen.
Natürlich hatten wir als echte Bluesmusiker ein riesiges Problem. Ich meine, wir wussten, wie es ist, die falsche Hautfarbe zu haben und verdammt noch mal in der falschen Gegend zu wohnen. Weiß wie Toastbrot in der Reihenhaussiedlung! Doch man muss nicht arbeitsloser Afroamerikaner in Chicago sein, um den Blues zu haben. Deutsche Vorstädte eignen auch sehr gut dazu und erst Recht die dramatische Verbindung von Pubertät und Hannover. Gut, meine Mutter schuftete nicht in den Cottonfields, aber Rhododendron macht auch verdammt viel Arbeit. And we where so deep in dept, Baby, our Reihenhaus belongs to the Bausparkasse. Oh, yeah! It's a hard life down in Gladiolenweg.
Der Blues ist ja erstmal ein Gefühl, und da ist es egal ob your Baby left you down in Georgia oder Kerstin Fröbel nicht mit Dir ins Kino will. Blues ist Blues!
Wir hatten sogar mal einen Auftritt auf dem Schulfest. Ich habe noch ein Foto davon. Wie mich Kerstin Fröbel auf diesem Foto anguckt, ich würde fast sagen anhimmelt, war mir damals gar nicht so aufgefallen. Vielleicht wäre sie ja doch mit mir ins Kino gegangen, wenn ich mich nur einmal getraut hätte sie zu fragen!
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