Eins vorneweg: Es ist unmöglich, in einem Smart cool auszusehen. Obwohl wir beide Anzüge trugen. Wie wirkten wir wohl? Wie ein Paar vielleicht, betont seriös gekleidet, unterwegs, damit ich endlich seine Eltern kennen lerne. Oder wie zwei Arbeitslose, die auf eine Anzeige reingefallen waren: „Bis zu 5000 Euro im Außendienst!“ Glaubt einem einer, wenn man sagt, nein, der Herr Bach ist Schriftsteller und hat „Birth of the Uncool“ geschrieben und wir sind geschäftlich unterwegs um in Trier die Menschen lachen zu machen?
Weil ja dieser Sturm übers Land ging und der Eisenbahnverkehr eingeschränkt war, hatten wir uns nach reiflicher Überlegung für diesen Mietwagen entschieden. Eigentlich fahre ich ja ganz gerne Auto. Der fürsorgliche Herr Bach hatte noch Kaffee und Müsliriegel besorgt, schließlich hatten wir gut 200 Kilometer vor uns.
Auf der A3 sagte ich zu Herrn Bach: „Ein gutes Gefühl endlich wieder auf der Straße zu sein!“ Ist es eigentlich legitim etwas zu sagen, nur damit man hinterher schreiben kann, es gesagt zu haben? Und dann noch so einen Quatsch?
Als die Autobahn etwas schlechter wurde, wollte ich Herrn Bach mit einer meiner berühmten Alfred-Zerban-Parodien unterhalten. „Und wir kommen jetzt auf die Marter-Strecke. Hier macht sich der kurze Radstand des Smart doch unangenehm bemerkbar. Ansonsten... die Verarbeitung ist gut, da klappert nichts, da knarrt nichts....“ usw. Leider kennt Herr Bach Alfred Zerban nicht. Den großen Reporter aus „Freie Fahrt ins Wochenende“. Den König des Radio-Autotests. Den Helden der Marterstrecke! Herr Bach kann eine komplette Konversation nur aus Filmzitaten bestreiten, aber Alfred Zerban kennt er nicht. Komischer Kauz.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir Trier. Herr Bach navigierte uns sicher zum Veranstaltungsort.
Ich war lange nicht mehr so nervös! Wie konnte ich mir nur einbilden mit einer Nummer, die ich so nie geübt habe, in einer Stadt wo mich keiner kennt, in einem Genre, dass ich nicht beherrsche auf die Bühne zu gehen. Ich wusste, ich tat es für Fahrtkosten und ein Hotelzimmer. Und für das Abenteuer. Vor allem aber für das Hotelzimmer.
Es wurde gelost und ich war als erster dran. Auch das noch.
Vor solchen Veranstaltungen phantasiere ich heroische Triumphe und demütigende Niederlagen, aber selten irgendetwas dazwischen.
Von dem Auftritt existieren keine Aufnahmen. Ich glaube er war ganz O.K., also irgendetwas dazwischen. Je länger er zurück liegt, desto eher glaube ich allerdings, dass ich gar nicht so übel war. Das Publikum war jedenfalls sehr freundlich.
Nach mir fegte Jundula Deubel über die Bühne und ich flog raus.
Da konnte ich ja mal so langsam anfangen mit ernsthaft Bier trinken.
Die zweite Gruppe bestand aus dreien. Lorenz Böhme, Rolf Kuhl und Herrn Bach.
Herr Bach war gut, wirkte sehr souverän und kam eine Runde weiter. Genau genommen, kamen alle eine Runde weiter, weil der Moderator, der gleichzeitig als Applausometer fungierte, sich nicht entscheiden konnte, für wen der Applaus lauter war.
Deshalb durfte ich zum Trost in der letzten Runde noch mal außer Konkurrenz lustig sein.
In der zweiten Runde nun, das muss man sagen, war Kollege Bach hervorragend. Obwohl ich die Geschichte, „Besessen“, schon oft gehört hatte, habe ich mich wieder gut amüsiert.
Jundula Deubel gewann, aber es war eine knappe Entscheidung.
Danach, der Kalauer sei mir erlaubt, noch ein paar Bier in Trier.
Und später bei Cola aus der Mini-Bar sprachen wir darüber, das so ein Künstlerleben zwischen Bühne und Hotel schon eines der besseren wäre. Wenn Herr Bach und ich unser gemeinsames Programm fertig haben, kaufen wir uns einen eigenen Smart!
Auf der Rückfahrt übrigens, trafen wir uns noch mit Alexander Bachs Vater auf Kaffee und Kuchen.
Und hier finden Sie die Geschichte aus der Sicht des Herrn Bach.

3 Kommentare:
Lieber, sehr verehrter Herr Gottschalk, auch ich kenne Alfred Zerban nicht, obwohl ich seit frühester Kindheit WDR höre. Das schmälert aber in keinster Weise das erneute Vergnügen beim Lesen Ihrer freitäglichen Kolumne!
Dankeschön. Nett mal wieder von Ihnen zu hören.
»Ich tat es für Fahrtkosten und ein Hotelzimmer. Und für das Abenteuer. Vor allem aber für das Hotelzimmer.«
Herr Gottschalk, mir graut vor Ihnen! Das aufregende Doppelleben als Nachtportier genügt Ihnen wohl nicht, nun geben Sie sich auch noch als verkappter Hotel-Fetischist zu erkennen...
Mit derart schaurigen Anwandlungen qualifizieren Sie sich beinahe schon für die nächste »Nacht der lesenden Toten«... Nun, immerhin kann ich den Reisebericht dahingehend bestätigen, daß Sie die Nacht in Trier nicht hinter der Rezeption verbracht haben...
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