Der Kollege S. war in die USA gereist und gestern war Dia-Abend. Ich war so neidisch auf ihn. Er war zuerst in New York gelandet, der coolsten Stadt der Welt, New York ist dermaßen cool, hier begrüßen sich die sogar Eichhörnchen im Central-Park mit High Five: „Hey, Sam the Squirrel, what’s up man?“ – „Lookin’ for some fat acorn, Dude!“ – „O yeah, rodent, keep on nibblin’“.
Am Off-Broadway spielt Johnny Depp jeden Donnerstag in „Tod eines Handlungsreisenden“. Mit Kirsten Dunst und Dustin Hoffmann unter der Regie von Jim Jarmush. Glaube ich. Kann auch „Endstation Sehnsucht“ gewesen sein. Mit Steven Segal und Calista Flockhart. Egal: Was hätte ich drum gegeben einmal in New York am Straßenrand zu stehen und auszurufen: „Die Menschen fliegen zum Mond, aber es ist unmöglich, in dieser Stadt um fünf Uhr nachmittags ein Taxi zu bekommen!“ Gerne hätte ich auch in einer Starbucksfiliale einen Kaffee getrunken, in der alle Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert sind. Gibt es hier ja auch nicht.
S. war nur kurz in New York, dann ging es weiter nach Detroit. Dort erschrecken die Drogensüchtigen am Busbahnhof die Touristen, damit die sich ein Taxi nehmen anstatt zu Fuß zu gehen. Dafür bekommen sie Geld von den Taxifahrern und je zombiemäßiger sie aussehen, desto mehr verdienen sie. Soweit unsere Theorie. Ansonsten sieht Detroit auf den Bildern aus, wie eine Mischung aus Frankfurt am Main und ostdeutscher Industriebrache. So ein Ort, an dem man sich fragt, wie irgendjemand den Kapitalismus für das überlegene System halten kann.
Und dann: Chicago. Als junger Mensch wollte ich ja arbeitsloser Afroamerikaner in Chicago werden und dort den Blues spielen. Kurze Zeit später hatte ich es geschafft. Ich war arbeitslos. Und spielte Blues. Nur eben nicht in Chicago. 50% des Plans erfüllt. Schafft auch nicht jeder im Leben.
Ich stellte mir Chicago so ähnlich vor, wie die frühe Sesamstraße, die amerikanische, also die Sesamstraße bevor Samson, Tiffy und Lilo eine Spießergegend draus gemacht haben. Ich hätte gerne mal auf so einer Treppe gesessen, wie man sie da vor den Häusern hat, und auf der Gitarre rumgeklimpert. Und dann wäre irgendein ein Bob oder ein Blind Jefferson vorbeigekommen und wir hätten zusammen gespielt. So hatte ich mir das vorgestellt.
Und jetzt sitze ich hier in Köln, klimpere ein bisschen, und im Park hinter unserem Haus treffen sich zwei Eichhörnchen: „Hey, Jupp das Eichhörnchen, was geht Alter?“ – „Fette Eicheln suchen, Digger!“ – „Jo cool, Nagetier, immer schön am Kacken halten!"
Freitag, 25. September 2009
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